Rudolf Holtappel, Luftschacht Zeche Hugo (1959-60), Silbergelatine, 23,1 x 24,3cm © Konstantin Kiess, Porträt Holtappel
Rudolf Holtappel, Oberhausen Marktstraße

10. April 2013 12:00 bis 24. April 2013 18:00

Ein Leben als Zeitzeuge

Fotografien 1953 – 1990 von Rudolf Holtappel

Rudolf Holtappel  (1923 - 2013)

Im vergangenen April ehrte  der Freundeskreis  den „Fotografen des  Ruhrgebiets“ Rudolf Holtappel mit einer Einzelausstellung im Atrium des Willy-Brandt-Hauses für sein Lebenswerk. Seine wunderbaren zeithistorischen Fotografien aus der Zechenlandschaft und der Warenhauskette Karstadt haben viele  Besucher angezogen.

Rudolf Holtappel verstarb in der vergangenen Woche im Alter von 90 Jahren.

 

Er  wird uns als kritischer, warmherziger und humorvoller, bis zum Schluss an Politik und am Leben interessierter Mensch fehlen.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Rudolf Holtappel zeigt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus in Berlin eine Übersicht über das Werk des Fotografen. Holtappel wurde 1923 in Münster geboren, wuchs in Duisburg auf und lebt seit 1960 in Oberhausen. Auch wenn er in seiner Berufstätigkeit als freier BildJournalist weltweit in den verschiedensten Aufgabengebieten tätig war, blieb er dem Ruhrgebiet immer in besonderer Weise verbunden, als fotografierend teilnehmender Beobachter und liebevoll-kritischer Chronist.

In seinen Fotografien sind Zechentürme, qualmende Kokereien und imposante Stahlwerke ebenso gegenwärtig wie Arbeitersiedlungen, Schrebergärten oder lange Leinen mit frischer Wäsche, und doch findet Holtappel immer ein überraschendes Detail, eine eigenwillige Handlung oder einen ungewohnten Blickwinkel, wodurch jede seiner Fotografien zu einem Dokument individuell gestalteten Lebens wird. Die Sorgfalt, die Holtappel auch den abseitigen, kritikwürdigen oder ärmlichen Motiven widmet, geht einher mit einem selbstverständlich verinnerlichten Respekt für die Menschen, die diese Region so besonders machen. Das Land und die Leute, untrennbar aufeinander bezogen und stets in Bewegung, davon handeln die meisten seiner Fotografien.

Erzählerische Zusammenhänge und ihre Zuspitzung in ausdrucksstarken Momenten kommen auch bei seinen Langzeitprojekten von Menschen in der Arbeitswelt und Menschen im Warenhaus vor. Letztere Werkgruppe entstand über Jahrzehnte in ganz Deutschland, von der Phase rasant wachsenden Wohlstands in den 1960er Jahren bis zum Ende der großen Konsumtempel seit den 1990ern.

Holtappel erfasst in seinen Bildern alle Facetten des Erlebens und alle mehr oder weniger beherrschten Emotionen, denn er versteht das Warenhaus als eine einzigartige Bühne, auf der sich exemplarisch die kleinen und die großen Dramen des Alltags ereignen.
Der offene und neugierige Blick auf den Alltag, auf das Besondere im nur scheinbar immer Gleichen, eint die verschiedenen Bereiche in Holtappels Werk. Ob im Stahlwerk oder im Supermarkt, auf dem Sportplatz oder im Straßenverkehr, bei der Arbeit oder in der Kneipe, auf der Demo oder im Schrebergarten, stets stehen die Menschen im Mittelpunkt seiner Bilder. Und dass ihr Alltag nichts anderes ist als das Leben selbst, genau das machen Holtappels Fotografien immer wieder bewusst.